Notes / Engineering
August 2026 · Engineering · Riswan Hassen

Ein Nullergebnis veröffentlichen — und eine eigene Zahl korrigieren

Unsere Forecast-Research-Demo Xommodo ist abgeschlossen, der Ergebnisbericht liegt vor. Er beantwortet die Ausgangsfrage mit Nein. Beim Nachrechnen für diesen Bericht kam allerdings etwas heraus, das uns mehr beschäftigt hat als das Nullergebnis selbst: eine Zahl, die wir hier im August veröffentlicht haben, war falsch. Dieser Beitrag korrigiert sie und erklärt, warum ausgerechnet der Fehler der übertragbare Teil ist.

Zuerst die Korrektur

Im Update vom August steht, der ausgewiesene Gesamt-Return sei durch die Einrechnung von Roll-Kosten von +135,0 % auf +127,3 % gesunken, versehen mit dem Satz „Genauigkeit hat Vorrang vor der schöneren Zahl".

Der Satz stimmt, die Zahl nicht. +127,3 % war nicht der korrigierte Wert, sondern ein knapp korrigierter falscher. Die Roll-Kosten waren rund 8 von rund 67 Prozentpunkten Abweichung. Der belastbare Wert für dasselbe Datum lautet +67,9 %. Im echten Vorwärtsfenster lag die Simulation zudem hinter Buy-and-Hold — 10,3 Prozentpunkte, auf 37 Handelstagen.

Der alte Beitrag bleibt stehen und trägt jetzt einen datierten Korrekturhinweis. Die falsche Zahl wird nicht entfernt: Wer eine Veröffentlichung berichtigt, sollte nachlesbar lassen, was vorher dastand.

Wie eine geprüfte Kette eine falsche Zahl tragen konnte

Xommodo hatte genau dafür Vorkehrungen: Jede Prognose wurde vor dem Ergebnis in eine SHA-256-Hash-Chain geschrieben und über OpenTimestamps in der Bitcoin-Blockchain verankert. Diese Kette wurde nie verletzt. Sie ist bis heute prüfbar, und ihr Protokoll ist zutreffend.

Der Fehler lag in drei Lücken daneben:

Was daraus für Prüfsysteme folgt

Ein manipulationssicherer Nachweis beweist, was wann festgeschrieben wurde. Er beweist nicht, dass eine daraus abgeleitete Kennzahl noch dazu gehört, und er sagt nichts darüber, welche Größe eine Freigabeprüfung misst. Wer Auditierbarkeit baut, sollte beide Lücken von vornherein mitdenken:

Und das Nullergebnis

Die Ausgangsfrage — können schwache, öffentlich verfügbare Vorlaufsignale Rohstoffpreise vorhersagen? — ist mit Nein beantwortet. Über zehn vorregistrierte Läufe mit 7.825 geprüften Kombinationen überstand kein Kandidat das vorab festgelegte Kriterium. Der abschließende Test verfehlte seine vorher gesetzte Schwelle um 0,023; die ebenfalls vorher niedergeschriebene Entscheidungsregel sah dafür die Einstellung vor, und so wurde entschieden.

Der Bericht enthält daneben zwei methodische Befunde, die über das Projekt hinausreichen: eine von uns absichtlich eingebaute Placebo-Kontrolle bestand die Bonferroni-Korrektur — was unsere erste Screening-Phase entwertete — und eine synthetische Kontrolle trennte danach eine kaputte Methode von einer bloß falsch kalibrierten.

Zum vollständigen Bericht auf xommodo.com →

Deutsche Fassung. Die englische Fassung mit DOI und dem vollständigen Reproduktionspaket — Roh-Prognosen, Ledger samt Zeitstempel-Ankern, Vorregistrierungen — erscheint auf Zenodo.

Xommodo war eine Forschungs-Demonstration, keine Anlageberatung. Alle genannten Renditezahlen stammen aus Simulationen beziehungsweise einem neunwöchigen Vorwärtsfenster und sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

Erstellt mit Unterstützung von Claude (Anthropic) für Auswertung, Verifikation und Textfassung, im Auftrag des Autors, der für Inhalt und Entscheidungen verantwortlich zeichnet.